Die 3-Punkte-Prüfung. Drei Checks, die du heute selbst machen kannst — ohne Tool-Abo, ohne Vorwissen, in etwa 15 Minuten. Danach weißt du, ob dein Problem wirklich das Design ist.
Von Henry Prill · Madebyprill · Instagram: @made.by.prill
Ich verdiene mein Geld damit, Websites zu bauen. Trotzdem: In den meisten Fällen, die ich sehe, ist das Design nicht die Ursache. Es sind fast immer dieselben drei Dinge — und eine hübschere Seite hat sie hinterher immer noch.
Punkt 1 — Tempo
So prüfst du es (2 Minuten):
- Öffne deine Seite auf dem Handy mit mobilen Daten, nicht im WLAN. Zähl mit: Wie lange, bis das große Bild oder die Überschrift oben wirklich da ist?
- Gegenprobe mit Zahl: pagespeed.web.dev — deine URL eintragen, auf „Mobil” stellen. Der Wert, auf den es ankommt, heißt LCP.
Der Zielwert: LCP unter 2,5 Sekunden. Das ist die Grenze, ab der Google eine Seite offiziell nicht mehr als schnell einstuft. (Im Reel sage ich 1,5 — das ist die Grenze, ab der dein Besucher es als zäh empfindet. Beides stimmt: 2,5 ist die Messlatte, 1,5 das Gefühl.)
Ehrlich dazu: Tempo ist bei Google nur ein kleiner Tiebreaker, kein Hauptfaktor. Der Grund, warum es trotzdem ganz oben steht: Der Mensch vor dem Handy wartet nicht.
Die häufigsten Ursachen, in dieser Reihenfolge:
- Riesige Bilder direkt aus der Kamera (3–8 MB statt 200 KB). Moderne Formate wie WebP sparen oft 80–95 % der Dateigröße.
- Fremd-Skripte: Chat-Widget, Cookie-Banner, Tracking, eingebettete Karte, Schriften von fremden Servern. Jedes einzeln hinterfragen.
- Das erste große Bild „lazy” geladen. Klingt schlau, macht die Seite messbar langsamer.
Wichtig: Das sind alles Reparaturen an der bestehenden Seite. Keine davon braucht ein Redesign.
Punkt 2 — Klarheit
So prüfst du es (3 Minuten):
- Zeig deine Startseite jemandem, der nicht weiß, was du machst. Nach 5 Sekunden zuklappen und fragen: Was bieten die an, für wen, und was soll ich hier tun?
- Kommt keine saubere Antwort, liegt es fast nie am Design.
Der Test, den du selbst nicht bestehen kannst: Du weißt ja, was du anbietest. Deshalb braucht es eine fremde Person — Partner, Nachbar, jemand aus einer anderen Branche.
Woran es meistens hängt:
| Statt … | Besser … |
|---|---|
| „Ihr kompetenter Partner für individuelle Lösungen” | „Damenfrisuren in München — Termine oft noch diese Woche” |
| „Herzlich willkommen auf unserer Website” | Direkt die Leistung, im ersten Satz |
| Fünf gleich große Buttons | Ein Haupt-Button pro Seite |
Die Regel dahinter: Die Frage des Besuchers muss in den ersten 100 Wörtern beantwortet sein — nicht erst nach der Firmengeschichte. Konkret schlägt allgemein, und zwar bei Google und beim Kunden.
Auch das ist Text, kein Design. Diese Punkte lassen sich in einer bestehenden Seite ändern.
Punkt 3 — Auffindbarkeit
Der Punkt, der am meisten bringt und am seltensten gemacht wird.
A) Dein Google-Unternehmensprofil — bei lokalen Betrieben rankt es stärker als deine Website selbst. Wenn du nur eine Sache machst, dann diese.
- Profil existiert und ist verifiziert
- Hauptkategorie exakt passend gewählt (der stärkste einzelne lokale Rankingfaktor — nimm die genaueste, nicht die breiteste)
- Öffnungszeiten inkl. Feiertage, Leistungen, Beschreibung, Telefon, Website-Link, Einzugsgebiet ausgefüllt
- Echte, aktuelle Fotos — regelmäßig, nicht einmal zehn Stockbilder
- Bewertungen werden aktiv eingesammelt (zweitstärkster lokaler Faktor) und jede wird beantwortet, auch die schlechten
- Name, Adresse, Telefon überall exakt identisch — Website, Profil, Verzeichnisse. „Str.” vs. „Straße” ist schon eine Abweichung.
B) Die Basics auf der Website
- Rechtsklick → „Seitenquelltext anzeigen” (nicht „Untersuchen”!). Steht dein Text da drin? Bei manchen modern gebauten Seiten nicht — dann sieht Google ihn womöglich nie. Das ist der häufigste echte Fehler bei neuen Seiten.
- Jede Seite hat einen eigenen Seitentitel (~50–60 Zeichen, Muster: Leistung + Ort + Marke)
- Jede Seite hat eine eigene Beschreibung (~140–160 Zeichen, mit einem Grund zu klicken)
- Genau eine H1 pro Seite
- Ort im Titel und in der H1, wo es natürlich klingt
- Google Search Console eingerichtet (kostenlos) und Sitemap eingereicht
Dein Ergebnis
Alles abgehakt? Dann ist dein Problem tatsächlich woanders — und ein Redesign kann die richtige Antwort sein.
Ein bis drei offene Punkte? Genau da liegt dein Geld. Diese Punkte kosten dich Anfragen, und eine neue Seite repariert keinen davon automatisch. Man kann eine hübschere Seite bauen, die exakt dieselben drei Probleme hat.
Reihenfolge, wenn du wenig Zeit hast: erst das Google-Unternehmensprofil (größter Hebel), dann Klarheit, dann Tempo.
Wann eine neue Seite wirklich richtig ist
Es gibt sie, die Fälle. Drei davon:
- Die Technik ist am Ende — nichts lässt sich mehr ändern, Updates gehen nicht, niemand kommt an das System ran.
- Auf dem Handy fällt sie auseinander — Google indexiert die mobile Version. Was dort nicht funktioniert, existiert für Google praktisch nicht.
- Die Marke passt nicht mehr — anderes Angebot, andere Zielgruppe, anderer Anspruch als vor sechs Jahren.
Trifft einer davon zu: neu bauen. Aber mit diesen drei Punkten im Kopf, sonst hast du in zwei Jahren dieselbe Situation mit besserem Aussehen.
Wenn du nach den drei Punkten nicht weiterkommst: Schick mir deine URL per DM (@made.by.prill) und schreib dazu, welcher Punkt bei dir gehakt hat. Ich sag dir, was ich sehe.
Alle Schwellenwerte und Faktoren in diesem Dokument stammen aus meiner eigenen SEO-Arbeitsliste, die ich für Kundenprojekte nutze — keine geschätzten Zahlen.